Das Jahr des Igels: Ein Überlebenskampf im Wandel der Jahreszeiten
Wenn wir an das Jahr des Igels denken, haben wir oft das Bild eines gemütlichen Gartenbewohners im Kopf, der im Frühling erwacht, sich im Sommer den Bauch vollschlägt und im Spätherbst in den wohlverdienten Winterschlaf versinkt.
Doch dieses klassische Bild entspricht leider längst nicht mehr der harten Realität.
Unsere Stachelnasen stecken in einer tiefen Krise.
Seit 2024 steht der Braunbrustigel offiziell auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten in Deutschland. Sein Überleben in unserer Kulturlandschaft ist akut gefährdet.
Ein Leben im Verborgenen: Die Natur des Igels
Igel sind von Natur aus strikt nacht- und dämmerungsaktive Einzelgänger.
Tagsüber schlafen sie gut versteckt in Hecken, Gebüschen oder Laubhaufen. Erst wenn es dunkel wird, begeben sie sich auf Nahrungssuche.
Bekommt man einen Igel am helllichten Tag zu Gesicht, ist das fast immer ein Alarmzeichen: Das Tier ist dann meist krank, verletzt, verwaist oder extrem unterernährt.
Der Jahresrhythmus im Detail – und warum unsere Hilfe Pflicht ist
Da Igel reine Fleisch- und Insektenfresser sind, finden sie durch das fortschreitende Insektensterben und den Mangel an naturnahem Lebensraum kaum noch Nahrung.
Die Natur deckt den Tisch nicht mehr ausreichend von alleine.
Deshalb ist eine ganzjährige Zufütterung mittlerweile lebensnotwendig geworden, um den natürlichen Rhythmus der Tiere zu sichern.
🌷 Frühjahr (Erwachen & Energiereserven):
Je nach Witterung erwachen Igel zwischen März und Mai aus dem Winterschlaf.
Sie haben bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts verloren. Die entleerten Energiereserven müssen nun dringend aufgefüllt werden – doch im zeitigen Frühjahr gibt es kaum Insekten.
☀️ Sommer (Paarungszeit & Welpenzeit):
Von Mai bis August läuft die kräftezehrende Paarungszeit.
Ab August folgt die Welpenzeit: Die Igelmütter bringen nach rund 35 Tagen Tragzeit ihre Jungen (Welpen) zur Welt und säugen sie etwa sechs Wochen lang. Der Energiebedarf der Elterntiere und der säugenden Mütter ist in dieser Zeit riesig.
🍂 Herbst (Der Endspurt zum Winterschlafgewicht):
Ab Oktober müssen sich vor allem die Jungigel und geschwächte Spätgeborene mühsam die nötigen Gramm für den Winter anfressen. Ein Igel benötigt ein Winterschlafgewicht von mindestens 600 bis 700 Gramm (Jungigel) bzw. ca. 1000 bis 1800 Gramm (Altigel), um die monatelange Kältephase energetisch überhaupt überleben zu können
❄️ Winter (Winterschlaf im Klimawandel):
Bei dauerhaften Nachttemperaturen unter 6 Grad sinken Igel in den Winterschlaf.
Durch den Klimawandel gibt es jedoch immer öfter milde Winterphasen. Wachen Igel mitten im Winter auf, verbrauchen sie enorm viel Energie.
Da sie draußen absolut gar keine natürliche Nahrung finden, verhungern sie ohne eine Futterstelle im Garten unweigerlich.
Wie Sie jetzt helfen können
Bitte unterstützen Sie die Tiere, indem Sie flache Schalen mit hochwertigem Katzenfeuchtfutter (hoher Fleischanteil, ohne Getreide und Gelee) und täglich frisches Wasser (niemals Milch!) bereitstellen.
Schaffen Sie „wilde Ecken“ mit Laub- und Totholzhaufen, damit unsere Igel sichere Winterquartiere und Wurfnester bauen können.
Als Igelpflegestelle stoße ich fast täglich an meine Grenzen, weil immer mehr entkräftete, untergewichtige und kranke Tiere meine Hilfe brauchen.
Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass der Igel nicht von unseren Bildflächen verschwindet



